Meilenstein in der Lungenkrebs-Früherkennung
Roboter Ion macht Thoraxzentrum Ruhrgebiet europaweit zum Vorreiter
Es ist die jüngste Neuanaschaffung im Thoraxzentrum Ruhrgebiet und ein Meilenstein in der Früherkennung von Lungenkrebs: das Robotik-System Ion. Dahinter verbirgt sich eine robotergestützte Bronchoskopie. Mit ihr lassen sich selbst sehr kleine Knoten zielsicher zur Probenentnahme ansteuern, die bisher kaum erreichbar waren. Das Thoraxzentrum Ruhrgebiet, ein zertifiziertes Lungenkrebszentrum der Deutschen Krebsgesellschaft, ist damit optimal aufgestellt für das Lungenkrebsscreening von Risikopatienten, das im Frühjahr startet. Mehr noch: Ion ist der inzwischen dritte Roboter, der in Herne-Eickel zum Einsatz kommt. In keiner anderen Thoraxchirurgie in Europa profitieren Patienten bei der Diagnostik und Behandlung von Lungenkrebs von so vielen verschiedenen Robotik-Systemen.
Besteht der Verdacht auf Lungenkrebs, weil beispielsweise in Röntgenaufnahmen Verschattungen festgestellt wurden, wird in der Regel zur weiteren Abklärung eine Spiegelung der Atemwege (Bronchoskopie) durchgeführt, bei der eine Gewebeprobe entnommen wird. Was einfach klingt, ist für Ärzte oft eine Herausforderung. Denn: Mehr als sieben von zehn Krebsknoten bilden sich in den tief liegenden äußeren Zonen der Lunge. Diese sind mit herkömmlichen bronchoskopischen Techniken nur schwer zu erreichen. Genau hier setzt Ion an: Anhand computertomografischer Röntgenbilder (CT) erstellt das Robotik-System eine Art Straßenkarte der Lunge mit all ihren verzweigten Atemwegen. Wie ein Navi im Auto kann der Operateur auf dieser Grundlage schließlich einen Katheter zum Ziel steuern. Anschließend können Instrumente in den Katheter eingeführt werden, mit denen der Operateur eine Probe des im CT auffälligen Gewebes entnehmen kann. Die exakte Position wird mithilfe eines hochmodernen Cone-Beam-CT-Scans überprüft. Mit dieser speziellen 3D-Röntgenaufnahme ist eine millimetergenaue Probenentnahme möglich. „Die Wahrscheinlichkeit, kleinere Rundherde zu erreichen, liegt bei einer konventionellen Bronchoskopie bei 30 Prozent. Mithilfe des robotergestützten Systems erreichen wir Werte von bis zu 95 Prozent. Zudem kommt es hier deutlich seltener zu Komplikationen“, erklärt Prof. Dr. Santiago Ewig. Der Chefarzt der Klinik für Pneumologie und Infektiologie freut sich, damit eine Biopsie auf dem neuesten Stand der Technik anbieten zu können, die besonders schonend ist und Betroffenen aufgrund ihrer Genauigkeit zudem engmaschige Kontrollen erspart.

"Mit dem neuen Robotik-System sind wir hervorragend für die Diagnostik von Lungenkrebs aufgestellt – nicht nur im EVA Ruhr, sondern auch weit über die Region hinaus."
Das robotisch-assistierte System wird im Thoraxzentrum Ruhrgebiet künftig standardmäßig bei Bronchienspiegelungen zum Einsatz kommen. Ihre Zahl – bisher waren es mehr als 3000 jährlich – wird mit dem Start des Lungenkrebsscreenings künftig deutlich steigen. Ab April 2026 haben aktive und ehemalige Raucherinnen und Raucher im Alter von 50 bis 75 Jahren, die mindestens 25 Jahre stark geraucht haben, Anspruch auf eine kostenlose CT-Untersuchung. Das Thoraxzentrum hat eine Kooperation mit den radiologischen Praxen im Ruhrgebiet geschlossen und steht als Spitzenzentrum mit speziell für das Screening ausgebildeten Radiologen, Pneumologen und Thoraxchirurgen zur Expertenbeurteilung bereit, um jeden Patienten mit einem verdächtigen Befund zu untersuchen, beraten und ggf. zu behandeln.
Mit dem Screening werden Veränderungen des Lungengewebes so frühzeitig erkannt, dass Lungentumore in frühen Stadien behandelt werden können. Lungenkrebs zählt trotz der Fortschritte in der Therapie zu den tödlichsten Krebserkrankungen, weil er bisher meist erst in weit fortgeschrittenen Stadien festgestellt wurde.
Bestätigt sich der Lungenkrebsverdacht, profitieren Betroffene im Thoraxzentrum Ruhrgebiet bei der Weiterbehandlung von hochmoderner Medizintechnik: Neben der robotergestützten Bronchoskopie mit Ion kommen im OP auch die Roboter-Systeme DaVinci und HUGO zum Einsatz: ein europaweites Alleinstellungsmerkmal in der Thoraxchirurgie. Die Vorteile der fortschrittlichen Medizintechnik liegen für Dr. Erich Hecker, der das Thoraxzentrum als Chefarzt der Klinik für Thoraxchirurgie zusammen mit Prof. Dr. Ewig leitet, auf der Hand: „Schon heute haben wir bei unseren chirurgischen Eingriffen eine Komplikationsrate, die weit unter den Vorgaben der jeweiligen Fachgesellschaften liegt. Mit Einsatz der Robotik streben wir eine Rate möglichst gegen Null an.“ Möglichen Ängsten können die Mediziner entgegenwirken: „Die Robotik spielt zwar eine bedeutende Rolle bei der Patientensicherheit, aber der Operateur bleibt nach wie vor derjenige, der die entsprechenden Aktionen ausführt. Die Roboter-Technik wird immer nur Assistenz sein und nie selbstständig arbeiten“, betonen Prof. Dr. Ewig und Dr. Hecker unisono.
Das Thoraxzentrum Ruhrgebiet ist eine Fachklinik für Thoraxchirurgie, Pneumologie und Thorakale Onkologie am Evangelischen Krankenhaus Herne-Eickel sowie der Pneumologie in den Augusta-Kliniken Bochum. Beide Standorte sind Teil des EVA Ruhr (Evangelischer Verbund Augusta Ruhr) mit sieben Klinikstandorten in Bochum, Castrop-Rauxel, Gelsenkirchen, Hattingen, Herne und Witten.
„Mit dem neuen Robotik-System sind wir hervorragend für die Diagnostik von Lungenkrebs aufgestellt – nicht nur im EVA Ruhr, sondern auch weit über die Region hinaus. Bestätigt sich der Krebsverdacht, können Patientinnen und Patienten zudem sicher sein, an unserem EVA Ruhr Thoraxzentrum Ruhrgebiet mit der in Europa einmaligen medizintechnischen Ausstattung eine Weiterbehandlung auf höchstem medizinischem Niveau zu erfahren“, sagt Olaf Walter, Konzerngeschäftsführer und Sprecher Gesundheitswirtschaft des EVA Ruhr.
Das Thoraxzentrum Ruhrgebiet betreut an seinen beiden Standorten in Herne-Eickel und Bochum jedes Jahr über 14.000 ambulante sowie 8.500 stationäre Patientinnen und Patienten.



