Hüftchirurgie

Beweglichkeit durch neue Hüftgelenke gewinnen

Der Ersatz des Hüftgelenkes bei schmerzhaftem Verschleiß (Arthrose) durch eine Hüftprothese gehört mit zu den häufigsten chirurgischen Eingriffen. Allein in Deutschland werden jährlich fast 200.000 Hüftendoprothesen implantiert. Aufgrund des zunehmenden Alters der Bevölkerung ist mit weiteren Steigerungen zu rechnen.
Für die Betroffenen ist die bevorstehende Operation ein einschneidendes Ereignis. Für uns ist daher wichtig, Ihnen durch eine Erläuterung des Eingriffes Verständnis für die Abläufe in unserer Klinik zu vermitteln und Ängste zu nehmen.

Vollständiger Hüftgelenkersatz

Warum wird dieser nötig?

Das Hüftgelenk hat aufgrund seiner anatomischen Lage besonders intensiven Belastungen standzuhalten, da auf diesem Gelenk der überwiegende Teil des Körpergewichtes ruht. Daher ist das Hüftgelenk besonders gefährdet, Verschleißerscheinungen (Arthrose) zu entwickeln. Die Arthrose des Hüftgelenkes (Coxarthrose) stellt die häufigste Ursache für die Implantation einer Hüft-Totalendoprothese (Hüft - TEP) dar.

Die Arthrose ist eine Erkrankung des Gelenkes, bei der die knorpeltragende Gelenkschicht zunehmend dünner wird, bis in einem fortgeschrittenen Stadium ein unmittelbarer Knochenkontakt zwischen dem Hüftkopf und der Pfanne besteht. Es wird geschätzt, dass in der Bundesrepublik 80% der über 50-jährigen degenerative Veränderungen des Hüftgelenkes haben.

Die Ursachen für die Entstehung einer Arthrose sind vielfältig. Zahlenmäßig mit Abstand am häufigsten ist hierbei die sogenannte primäre Coxarthrose, das heißt der Gelenkverschleiß ohne erkennbare Ursache.

Die Degeneration ist begleitet von einer Reizung der Synovia (Gelenkbinnenhaut). Die Folge ist eine Flüssigkeitsansammlung im Gelenk. Die Untersuchung dieser Gelenkflüssigkeit hat gezeigt, dass hier Substanzen vorhanden sind, die Schmerz vermitteln und Schmerzen verursachen. Schmerz und Vermeidung von bestimmten Bewegungen führen dazu, dass die Kapsel des Hüftgelenkes schrumpft und sich die
Muskulatur des Hüftgelenkes verkürzt. An den Rändern des Hüftkopfesund der Pfanne bildet sich ein sogenannter Osteophytenkranz (knöcherne Randanbauten).

Durch eine Vergrößerung der Oberfläche des Gelenkes versucht der Körper den Druck auf das Gelenk zu reduzieren. Im Röntgenbild erkennt man eine Deformierung des Gelenkes und eine Aufhebung des Gelenkspaltes.
Die Drehfähigkeit des Hüftgelenkes geht als erstes verloren. Die Patienten haben z. B. Schwierigkeiten, sich die Schuhe zuzuknüpfen. Die Beugefähigkeit ist im Allgemeinen lange gut erhalten, so dass Patienten selbst mit fortgeschrittener Arthrose noch gut Fahrrad fahren können. Dennoch werden gewohnte Aktivitäten, die für den Patienten Lebensqualität bedeuten, zunehmend reduziert.

Die Operation

Die Operation - Minimalinvasiver Zugang? Welche Prothese?

Die Hüft-Totalendoprothese (Hüft-TEP) setzt sich aus einer Pfanne, einer Pfannenschale (Inlay) und dem Schaft zusammen. Auf dem Schaft ist ein austauschbarer Kopf als Bindeglied zur Pfanne angebracht.

Der Zugang

Sofern möglich wird bei der Erstimplantation einer Hüft-TEP eine minimalinvasive Operationstechnik gewählt. Hierzu wird  ein ca. 10 – 12cm langer Hautschnitt auf der Außenseite des zu operierenden Hüftgelenks angelegt.
 
Durch den minimalinvasiven Zugang werden das tieferliegende Gewebe, wie Muskeln und Sehnen, geschont, da zum Zugang zum Hüftgelenk die Muskeln nicht durchtrennt, sondern lediglich auseinander geschoben werden. Dies gewährleistet nach der Operation eine rasche Mobilisation und einen verbesserten Verrenkungsschutz. 

Der wesentliche Vorteil des minimalinvasiven Zugangs ist die Schonung der tiefliegenden Weichteile und nicht der kleinere Hautschnitt. Bei der Verwendung des minimalinvasiven Operationsverfahrens sind spezielle Instrumente zur Implantation des künstlichen Hüftgelenks nötig.

In einigen Fällen ist die Verwendung eines minimalinvasiven Zugangs nicht möglich. Hierzu gehört beispielsweise der Gelenkverschleiß nach hüftgelenksnahem Oberschenkelbruch mit einliegenden Metallteilen, aber auch der sehr kräftig entwickelte Weichteilmantel.

Welche Prothese – zementiert oder unzementiert?

Die Prothesenpfanne und der Prothesenschaft der TEP können zementiert oder unzementiert eingebracht werden. Auch bei eingeschränkter Knochendichte kann oft noch eine zuverlässige zementfreie Verankerung der Hüftpfanne gelingen. Der Schaft wird dann mit Zement verankert, um trotzdem direkt nach der Operation eine Vollbelastung erreichen zu können. In diesen Fällen spricht man von einer teilzementierten Prothese (Hybrid). Der Anteil der rein unzementierten Versorgung ist über die Jahre angestiegen und liegt mittlerweile bei > 70%. Ein wichtiger Vorteil dieser Operationstechnik ist der erleichterte Eingriff im Fall einer nötig werdenden Wechseloperation. Voraussetzung für die unzementierte Versorgung ist stets die gute Knochenqualität. Welche Prothese für den individuellen Patienten am besten geeignet ist, wir in einem gemeinsamen Gespräch erörtert.

Bei genügender Knochenqualtität stellt die unzementierte Implantationstechnik bis zum 70. Lebensjahr den Regelfall dar. Im Einzelfall spricht aber auch nichts dagegen auch bei über 70 jährigen Patienten die Prothese zementfrei zu verankern.

Die Standzeit, das heißt der Zeitraum bis zu einer ggf. erforderlichen Wechseloperation ist für den Patienten bis zum 70. Lebensjahr in zementfreier Technik etwas günstiger als für den zementierte Prothese. Ab dem 70. – 75. Lebensjahr zeigen sich die Standzeiten in den verschiedenen Versorgungstechniken identisch.

Seit einigen Jahren wird immer häufiger die Kurzschaftprothese implantiert. Wie es der Name bereits angibt ist Hauptmerkmal dieses Prothesentyps das auf der Oberschenkelseite im Vergleich zur herkömmlichen Standardtechnik ein deutlich kürzerer Prothesenschaft implantiert wird.Ein wesentlicher Vorteil hierbei ist die knochensparende Operationstechnik, da im Falle der ggf. erforderlichen Wechseloperation im betroffenen Oberschenkelknochen nahezu Knochenverhältnisse vorliegen wie zum Zeitpunkt der prothetischen Erstversorgung. Wesentliche Bedingungen für den Einsatz einer Kurzschaftprothese ist eine gute Knochenqualität. Zielgruppe für eine Versorgung mit diesem Prothesentyp ist der eher jüngere Patient bis zum 60 – 65 Lebensjahr.

Implantation nach Unfall

Die Implantation einer Hüft -TEP nach einem Unfall

Die Implantation einer Hüft-TEP nach einem Unfall stellt einen Schwerpunkt in der endoprothetischen Versorgung in unserer Klinik dar. Diese operativen Eingriffe stellen aufgrund der häufig schweren Vorerkrankungen der Patienten (v. a. bei hüftgelenksnahen Oberschenkelfrakturen, Bruch des Schenkelhalses) und der durch stattgehabte Brüche der Hüftpfanne veränderten Anatomie besondere Anforderungen an den Operateur.

Zur Versorgung von Patienten mit schweren Vorerkrankungen sollten neben der operativen Fachabteilung weitere Spezialisten (Kardiologen, Pneumolgen, Diabetologe etc.) in unserem Krankenhaus vorgestellt, um eine adäquate Versorgung zu gewährleisten.

Hüftgelenksnahe Brüche des Oberschenkelknochens

Eine wesentliche Ursache, die bei alten Menschen eine Prothesenimplantation erforderlich macht, sind hüftgelenksnahe Brüche des Oberschenkelknochens, hier insbesondere der Schenkelhalsbruch. Bei stärker verschobenen Brüchen wird durch die Implantation einer Prothese gewährleistet, dass die betroffenen Patienten rasch wieder möglichst mit Vollbelastung mobilisiert werden können. (Abb. 6) Für gesunde Patienten gelten die gleichen Behandlungsgrundsätze wie bei andere Indikationen für eine Hüft - TEP (z.B. bei Arthrose).

Ein Großteil der Patienten mit hüftgelenksnahen Brüchen weisen allerdings zumindest eine schwere Vorerkrankung auf. Mehr als 2/3 der Patienten sind über 80 Jahre alt. In diesen Fällen macht die Implantation einer sogenannten bipolaren Prothese Sinn. Hierbei wird keine separate Hüftpfanne implantiert, so dass die Operationszeit, die Operationsbelastung und der Blutverlust während der Operation erheblich reduziert werden können. Weiterhin neigt die bipolare Prothese kaum zur Verrenkung (Luxation).

Weitere Sonderfälle sind Patienten mit stattgehabten Brüchen des hüftnahen Oberschenkels, die mit speziellen Implantaten versorgt wurden.  Im Falle des Versagen dieser Implantate wird gewöhnlich die Versorgung mit einer Hüft-TEP erforderlich.

Behandlungspfad

Die Erstuntersuchung in der Sprechstunde

Den Termin zur Erstuntersuchung in der Unfallchirurgischen/ Orthopädische Sprechstunde  vereinbaren Sie bitte unter der Telefonnummer 02323 -498 2021.
Bitte bringen Sie zu diesem Termin alle Ihnen vorliegende Voruntersuchungen und Befunde mit.
Nach Durchsicht der Voruntersuchungen und einer klinischen Untersuchung werden bei Bedarf weitere Röntgenuntersuchungen durchgeführt.
Im Anschluss erfolgt mit Ihnen die Besprechung des weiteren Vorgehens. Bei einem eindeutigen Beschwerdebild werden Ihnen die möglichen Operationsverfahren dargestellt. Sollten Sie sich zur Operation entscheiden, wird unabhängig von den Voruntersuchungen die Anfertigung einer Röntgenaufnahme des Beckens angefertigt, auf der sich ebenso eine Kugel mit definiertem Durchmesser befindet. Diese Aufnahme wird zur Planung Ihrer Hüft - TEP am Computer vor der Operation benötigt. So kann sich der Operateur bereits präoperativ auf die erwartete Prothesengröße und bestehende Besonderheiten einstellen.

Es besteht sodann die Möglichkeit der Eigenblutspende. Die erfordert jedoch, dass diese Maßnahmen bereits einige Wochen vor der Operation in die Wege geleitet worden ist.

Die stationäre Aufnahme und das Aufklärungsgespräch

Die stationäre Aufnahme erfolgt in der Regel am Tag vor der Operation. Hier werden weitere notwendige Untersuchungen (EKG; Röntgenaufnahme des Brustkorbs) vorgenommen. Im Laufe des Tages findet das Aufklärungsgespräch statt; hier werden Sie vom Operateur über alle Details der Eingriffe informiert. Sinnvoll ist es, wenn Sie sich Ihren persönlichen Fragenkatalog bereits vorher zusammenstellen.

Die Krankengymnastik beginnt in aller Regel bereits am ersten Tag nach der Operation mit leichten Anspannungsübungen der Beine und des Gesäßes. Zur Einleitung können Sie sich am Folgetag an die Bettkante setzen. In dieser frühen Phase sollten Sie darauf achten, dass die Beine immer leicht gespreizt und nach innen gedreht sind, so dass die großen Zehen zueinander zeigen.  Diese Verhaltensmaßregel ist von großer Bedeutung um ein ausrenken der Prothese zu verhindern. Wenn Sie das zu erstem Mal sitzen, sollten Sie eine stärkere Beugung in der Hüfte vermeiden. Eine Toilettensitzerhöhung wird Ihnen zu Verfügung gestellt. Sie selbst  sollten darauf achten, dass der Oberkörper nicht mehr als 90° vornübergebeugt ist und dass ein Überkreuzen der Mittellinie mit dem operierten Bein vermieden werden sollte.

Die Gehschule bei Bedarf unter Einhalten der Teilbelastung beginnt mit den Mitarbeitern der Krankengymnastik am 2. oder 3. Tag nach der Operation; hierzu stehen Ihnen verschiedene Hilfsmittel zur Verfügung (Gehwagen, Unterarmgehstützen). Zum Ende des stationären Aufenthaltes können Sie diese Maßnahmen selbständig durchführen.

Damit Sie die Übungen sicher durchführen, sollte Sie folgende Gegenstände mitbringen: festes Schuhwerk ohne Absatz und ohne Schnürsenkel, langer Schuhlöffel, leichte und bequeme Kleidung.

Die Anschlussheilbehandlung

Ein Termin zur Durchführung einer Rehabilitationsmaßnahme wird bereits während Ihrer stationären Aufnahme beantragt. Ziel der Anschlussheilbehandlung ist, die möglichst rasche Wiederherstellung Ihrer gewohnten Aktivität. Die Maßnahme kann heimatnah ambulant oder aber in einer Reha – Klinik unter stationären Bedingungen erfolgen.
Der Aufenthalt in einer solchen Klinik beträgt gewöhnlich drei bis vier Wochen.

Häufig gestellte Fragen

Welche Untersuchungen müssen vor dem stationären Aufenthalt angefertigt werden?

Alle für uns erforderlichen Untersuchungen durch andere spezialisierte Fachdisziplinen werden mit Ihnen bereits im Rahmen der Vorstellung in der Poliklinik  besprochen; die Überweisungen hierfür werden Ihnen ebenso bereits in der Poliklinik ausgestellt.
Während des Aufenthaltes werden in aller Regel Röntgenaufnahmen des Brustkorbes, ein EKG und eine Blutbilduntersuchung vorgenommen.

Kann ich alle Medikamente wie gewohnt weiter einnehmen?

Kein Medikament sollte ohne Rücksprache mit uns oder Ihrem behandelnden Arzt abgesetzt werden. Medikamente zur Blutverdünnung (ASS, Aspirin oder Marcumar) werden vor dem Operationstermin oder während des Aufenthaltes abgesetzt. In dieser Zeit erhalten Sie ein anderes Schutzpräparat gegen Thrombose (Blutgerinnsel).
Hormonpräparate zur Vorbeugung einer Osteoporose oder bei Beschwerden in den Wechseljahren müssen 4 Wochen vor der Operation abgesetzt werden, da diese die Neigung zu Thrombosen verstärken.

Wie lange werde ich voraussichtlich im Krankenhaus bleiben?

Der Aufenthalt liegt zwischen 7 und 14 Tagen. Hieran schließt sich die Rehabilitation an, die im Mittel 3 bis 4 Wochen beträgt.

Wie lange dauert die Operation?

Die Erstimplantation einer Hüfte dauert ca. 90 Minuten. Wechseleingriffe können wesentlich länger dauern.

Zementierte oder unzementierte Prothese?

Die Wahl der Prothese richtet sich vor allem nach der Knochensubstanz des Oberschenkels und des Beckens. Eine in unserer Klinik häufig  verwendete Lösung für die Prothesenpfanne ist die eingepresste, unzementierte Pfanne (Press fit), die im Verlauf einiger Wochen fest in den Beckenknochen einheilt. In der Regel wird auch ein unzementierter Schaft gewählt.

Werde ich eine Blutübertragung benötigen?

In der Mehrzahl der Eingriffe ist bei der Erstimplantation einer Hüft - TEP keine Blutübertragung erforderlich. Bei Wechseloperationen oder der Implantation einer Hüft - TEP nach stattgehabtem Bruch der Hüftpfanne hingegen wird deutlich häufiger eine Blutübertragung nötig. 
Wenn keine medizinischen Gründe dagegen sprechen, kann der Patient jedoch 4 Wochen vor der geplanten Operation eine Eigenblutspende vornehmen lassen. Diese Blutkonserven erhält der Patient dann nach Bedarf während oder nach der Operation.

Wann kann ich wieder aufstehen?

Der Patient kann sich bereits am ersten Tag mit Hilfe an die Bettkante setzen lassen. Erste Gehübungen unter krankengymnastischer Anleitung erfolgen am Folgetag.

Wer kümmert sich um meine Rehabilitation?

Der Sozialdienst der MHH leitet die erforderlichen Schritte über Ihren Krankenversicherungsträger in die Wege. Sie selbst müssen sich um nichts kümmern.

Wann komme ich wieder zu einer Nachuntersuchung?

Regelmäßige Nachuntersuchungstermine erfolgen nach 6 und 12 Wochen sowie nach 1 Jahr. Die langfristige Betreuung wird dann von Ihrem Hausarzt oder Orthopäden übernommen. Auf Wunsch ist eine Weiterbehandlung in unserer Klinik möglich.

Welchen Sport kann ich weiter ausüben?

Sportarten mit plötzlichen Stoßeinwirkungen und starken Drehbewegungen sowie Kontaktsportarten sollten vermieden werden. Unbedenklich sind Fahrradfahren, Wandern und Schwimmen. Im Einzelfall sollte dies mit dem Operateur und Ihrem Orthopäden oder Unfallchirurgen besprochen werden.

Wann kann ich wieder Auto fahren?

Autofahren ist erst nach  Wiedererlangung der vollen Leistungsfähigkeit im Straßenverkehr möglich. Wurde das linke Bei operiert  (Betätigung des Kupplungspedals, Schaltwagen, kein Funktionseinsatz beim Automatikwagen) und sind sie in der Lage ohne Unterarmgehstützen sicher zu laufen spricht nichts gegen das Führen eines PKW.

Patienten mit prothetischem Gelenkersatz rechtsseitig sollten in der Regel erst nach ca. sechs Wochen selbstständig Autofahren, um im Notfall mit der erforderlichen Muskelkraft das Bremspedal betätigen zu können.

In welchem zeitlichen Abstand können die Gelenke bei beidseitiger Arthrose operiert werden?

Wenn Vollbelastung auf einer Seite erreicht ist und eine gut auftrainierte Muskulatur vorliegt.

www.evk-herne.de verwendet Cookies. Weitere Informationen Schliessen