21.08.2017 12:36

Neuromonitoring schützt Stimmbandnerven

Patientensicherheit bei Schilddrüsen-OPs im EvK weiter erhöht


Prof. Dr. Kemen (l.) während der Schilddrüsen-OP

Vor 20 Jahren war die Klinik für Viszeralchirurgie unter Leitung von Chefarzt Prof. Dr. Matthias Kemen am Evangelischen Krankenhaus Herne die erste in Nordrhein Westfalen, die bei Eingriffen an der Schilddrüse mit einem Monitoring arbeitete, um eine der häufigsten Komplikationen, die Beschädigung des Stimmbandnervs, zu verhindern. Da dieses Verfahren jedoch nur eine punktuelle Prüfung erlaubte, setzt das EvK nun eine neue Spezialtechnik ein, die eine permanente Kontrolle der Stimmband-Nervenstrukturen unter der Operation ermöglicht: das  kontinuierliche Neuromonitoring.

Die Stimmbandnerven befinden sich in einem Bereich hinter der Schilddrüse, der für einen Operateur schwer einsehbar ist. Ist eine Schilddrüse besonders groß, liegt ein Tumor vor oder handelt es sich um eine Wiederholungsoperation, steigt das Risiko den Stimmbandnerv zu verletzen. Bei routinierten Operateuren, wie z.B. in dem mehrfach zertifizierten Schilddrüsenzentrum am EvK, fällt dieses Risiko extrem gering aus. „Vergangenes Jahr lagen wir bei 0,3 Prozent, was deutlich unter dem bundesweiten geforderten Schnitt von 5 Prozent ist “, sagt Prof. Dr. Matthias Kemen.

Beim Neuromonitoring wird eine feine Elektrosonde ins Operationsfeld eingebracht, die es ermöglicht, auch schwer zugängliche Bereiche zu erreichen. Ein minimaler Stromstoß aktiviert den Stimmbandnerv und löst ein akustisches Signal aus. Das neue Verfahren liefert diese Information über die Lage des Nervs permanent während des gesamten Operationsvorgangs.

Jährlich werden in der Klinik für Viszeralchirurgie 550 Eingriffe an der Schilddrüse und der Nebenschildddrüse vorgenommen. Das EvK Herne ist im Ruhrgebiet das einzige Krankenhaus mit einem Referenzzentrum für Schilddrüsen- und Nebenschilddrüsenchirurgie - bundesweit gibt es insgesamt elf. „Dieses hohe Niveau wollen wir halten, deshalb arbeiten wir kontinuierlich daran, unsere Operationstechnik zu verbessern“, erklärt der Chefarzt. Das kontinuierliche Neuromonitoring ist ein weiterer Schritt in diese Richtung.